„Erst Hannover, dann Rastatt, dann Friedland“, „Mir ist schon alles auf die Nerven gegangen, bevor wir nach Deutschland sind“, „…der erste Tag im Wohnheim, Oma und ich haben geweint, Opa (der schon ein Jahr früher kam) sagte damals: „Alle Aussiedlery weinen am Anfang“.“ „Na Sprachkursie war es gut, da war endlich wieder was los“, „Oma hat gleich eine Putzstelle beim Metzger angenommen, wir wollten Geld verdienen“, „In unserer ersten Wohnung hatten wir nur eine Matratze“, „Im Arbeitsamt haben sie mir nur Jobs in der Wäscherei angeboten, dabei hatte ich doch einen Technikertitel.“
So oder so ähnlich sprachen meine Großeltern und meine Mutter über ihre Aussiedlung nach Deutschland. Immer wieder dasselbe: Friedland, Wohnheim, Sprachkurs, Arbeit, bloß nicht auffallen. Anfangs konnte ich damit nie was anfangen, erst als ich selber älter wurde, verstand ich, was mir meine Familie eigentlich erzählen wollte. Es ging um Frust, Verdruss und Sehnsucht, Stagnation und Hoffnungen, Abschied und Anpassung, Erwartungen und Enttäuschungen. Über allem lag dabei stets und ständig die Ungewissheit darüber, wie es werden würde in Deutschland, dem „Sehnsuchtsort“ vieler Spätaussiedler, vor allem für die jungen Menschen.
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